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Die Weihnachtsbotschaft
Nun ist es wieder
soweit. Es ist Adventszeit. Zeit der Ankunft. Zeit der Lichter. Zeit der
Nächstenliebe. Blattlos sind die Bäume, und kein Vogel zwitschert in den
kalten Morgenstunden. Die Natur hat sich schlafen gelegt und erwartet
mit uns das Heilige Fest. Entspannen Sie, und finden Sie Ruhe in dieser
besinnlichen Zeit.
Aber bitte verplempern
Sie damit nicht zu viel Zeit, schließlich haben Sie alle Hände voll zu
tun! Besorgen Sie bloß rechtzeitig alle Geschenke, immerhin müssen Sie
Ihre Nächstenliebe auch beweisen, und wie stehen Sie da, wenn das
Geschenk zu klein oder zu billig ist, oder einfach nicht das richtige
Lila hat? Ja, gewiss, Sie könnten den Umtauschgutschein gleich mit
dazulegen, aber wir möchten doch lieber, dass Ihre Gabe gleich die
ultimative Freude beschert.
Eine schöne Bescherung
hätten Sie obendrein am Ersten Feiertag, falls der Weihnachtsschmaus
nicht perfekt gelänge. Nicht auszudenken, wenn der knochenhart gefrorene
Schwan selbst im Backofen einfach nicht weich werden will, weil Sie
nicht aufs Haltbarkeitsdatum geachtet haben! Dafür gäbe es keine
Entschuldigung. Auf den Weihnachtsstress dürften Sie es nicht schieben,
denn den haben schließlich alle! Erwarten Sie nicht, dass Ihnen jemand
etwas abnimmt und sich wenigstens um Bockwürstchen und Kartoffelsalat
für Heiligabend kümmert.
Die Trendfarben für
Christbaumschmuck sind dieses Jahr übrigens Lila und Pflaume, und man
kombiniert sie höchstens mit einen einzigen Farbton, also bitte seien
Sie so gut und halten Sie sich daran, ja? Stellen Sie sich vor, ein
Modezar besucht Sie dieses Jahr zu Weihnachten, da wollen Sie sich doch
nicht blamieren. Ach so, Ihr Christbaumschmuck ist rot und cremeweiß,
und Sie bewahren ihn Jahr für Jahr sorgfältig auf? Gott, wie spießig.
Sie müssen Ihre Astgehänke selbstredend jedes Jahr neu kaufen, wenn Sie
alles richtig machen wollen! Sie können ja die gratigen Plastikkugeln
aus dem Internet bestellen. Die sind so schön billig, weil sie von
chinesischen Kindern zusammengebastelt wurden, genauso wie die
Kunstlederstiefel, die Sie noch schnell als Geschenk für Tante Helga zum
Neupreis von zehn Euro auf Ebay abgestaubt haben.
Nun kann ja fast
nichts mehr schief gehen. Wie, Ihnen fehlen noch die
Weihnachtsleckereien? Menschenskind, wie albern! Die stehen doch schon
seit Mitte September massenweise in den Supermärkten rum! Ach, die
hatten Sie ignoriert, weil Sie sich im Spätsommer noch keine
Weihnachtsstimmung aufdrücken lassen wollten? Das haben Sie völlig
falsch verstanden. Die Botschaft der metergroßen Lebkuchenstapel lautete
nicht: „Schon mal vorab ein Frohes Fest; wir sind wahrscheinlich
Weihnachten zu sehr beschäftigt, um dran zu denken“, sondern: „Wir
hatten letztes Jahr 25% Umsatzsteigerung, dieses Jahr wollen wir 28%,
also raus mit der Kohle!“
Und Sie fragen sich
manchmal, warum Sie das alles mitmachen? Na, weil es so ist! Es wird
einfach von Ihnen erwartet, und Sie erwarten es von anderen. Politiker
würden so etwas einen „Sachzwang“ nennen. Die stecken hier jedoch
ausnahmsweise nicht dahinter, sondern die freie Wirtschaft, und die will
wirklich nur Ihr Bestes.
Also seien Sie nicht
so knaschtig und geben Sie es ihr. |
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