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Leicester Square – Archiv
Anglizismen
Ein paar griffige
Anglizismen tun uns nicht weh. Begrifflichkeiten aus anderen Ländern
finden wir in jeder Sprache. Wenn daraus jedoch „Denglisch“ wird, sind
wir schnell an der Schmerzgrenze angelangt, und wir befinden uns im
Reich der großspurigen Maulhelden und vorgetäuschten Fachsprachen.
Anglizismen dienen dann der scheinbaren Aufwertung sinnfreien Geblubbers
und intellektueller Gehaltlosigkeit. Friedrich Nitzsche brachte es schön
auf den Punkt: „Wer sich tief weiß,
bemüht sich um Klarheit; wer der Menge tief scheinen möchte, bemüht sich
um Dunkelheit.“
Demokratie
Im Ansatz gut, in der
Praxis nicht umsetzbar. Eine Mitherrschaft des Volkes hat nur dann einen
Sinn, wenn das Volk über ein gerüttelt Maß an Bildung verfügt. Sich an
wichtigen Entscheidungen zu beteiligen erfordert, soll diese
Entscheidung vernünftig und erfolgreich sein, immer eine ausreichende
Kenntnis der Sachlage und Verständnis der mitspielenden Fakten. Da das
Volk jedoch einen starken Bildungsunwillen hat, und da jeder Einzelne
nur sein eigenes Amüsier- und Profitbedürfnis befriedigt sehen will und
keinerlei Interesse an einem Nutzen für das große Ganze hat, muss die
Idee der Volksherrschaft scheitern. Die beste Staatsform ist eine
Alleinherrschaft durch einen gütigen, weisen und doch strengen König,
doch der ist utopisch.
Euro
Grundsätzlich stehe ich der Idee einer gemeinsamen europäischen Währung positiv gegenüber.
Jedoch finde ich den Namen „Euro“ bescheuert. „Euro“ war für mich immer so eine Art Präfix, nach dem noch etwas kommen sollte, wie zum Beispiel bei
„Euro-Tunnel“ oder „Euro-Fighter“. So ganz alleine als Name für eine Währung hört es sich dämlich an. Das ist so, als würde man den US-Dollar
„Ami“ nennen.
Was mir dagegen gut gefällt ist der Name „Euronen“. Keine
Ahnung wessen Idee das war, aber es ist witzig und „das kostet
20 Euronen“ klingt wenigstens nach Währung. International
verwendbar ist es auch: Eurons, Eurones, Euroni...
Freundschaft
Freundschaft ist eine
symbiotische Beziehung. Freundschaft übersieht die kleinen Schwächen des
Anderen. Sie konzentriert sich allein auf das Positive in einem
Menschen. Sie bedarf keiner materiellen Bestätigung und unterliegt auch
keinen Verpflichtungen. Ein wahrer Freund ist mir auch dann lieb, wenn er mich nicht den ganzen Abend frei hält und wenn er mit leeren Händen vor meiner Tür steht.
Wer immer mein Freund sein möchte, muss diese Denkweise leben, ansonsten
funktioniert es nicht. Ich bin nämlich nicht auf der Welt um anderer
Leute Erwartungen zu erfüllen.
Geld
Eine Erfindung so unerfreulich wie eine Seuche. Nichts anderes fördert die negativen Emotionen von Menschen so sehr wie Geld: Neid, Gier, Selbstsucht, Rücksichtslosigkeit, bis hin zum Hass. Wer kein Geld hat, tja, der wird zum Ausschuss der Gesellschaft, und der, der viel Geld hat, für den ist es ein leichtes, daraus noch viel mehr Geld zu machen. Wo liegt denn da der Sinn? Geld bringt doch nur die Menschen nach oben, die bereits im besonderen Maße über die oben genannten Eigenschaften verfügen. Und Macht wiederum bedeutet noch mehr Geld. Letzten Ende führt Geld dazu, dass die falschen Menschen über das Schicksal der Erde bestimmen. Damit meine ich noch nicht einmal politische Macht, sondern wirtschaftliche. Die Industriellen sind die Bazillen, die diesen Planeten peinigen.
Kaffee
Wo man auch hinkommt,
überall wird einem erstmal die wohlgemeinte Tasse Kaffee angeboten. Und
dann wird man angeschaut als käme man vom Mond, wenn man sagt, dass man
niemals Kaffee trinkt: „Was denn, Sie trinken keinen Kaffee???" Dabei
sollte ich derjenige sein, der entgeistert aus der Wäsche guckt: „Wie,
Sie trinken das eklige Zeug etwa? Diesen bitteren, heißen Sud aus
verbrannten Samen sind Sie imstande sich einzuverleiben? Ist ja
faszinierend! Essen Sie denn auch Kinder?“
Mehrheit
Wichtige
Entscheidungen von der Stimme der Mehrheit abhängig zu machen, ist
Unsinn. Die Mehrheit der Menschen bestand und besteht zu jeder
Zeit aus bildungsunwilligen Schwachköpfen, und daher ist jede
Mehrheitsentscheidung eine Entscheidung von Schwachköpfen. Bestes
Beispiel: Vor 400 Jahren glaubte eine überwältigende Mehrheit, die Sonne
bewege sich um die Erde. Es gab nur eine Handvoll Leute, die das
Gegenteil behaupteten. Und jetzt kommt's: Diese Handvoll Leute lag
richtig! Es geht nicht darum, was die Mehrheit will, denn die weiß gar
nicht, wovon sie redet. Es geht einzig darum, wer Recht hat!
Mobiltelefone
Segen und Fluch zugleich. Einerseits sind sie irre praktisch und nützlich. Andererseits gibt es nichts nervtötenderes als diese Dinger.
Das Schlimmste ist, dass jede klassische zwischenmenschliche
Konversation augenblicklich unterbrochen wird, wenn der verdammte
Apparat in der Tasche brummt. Mein Gesprächspartner macht mir damit
klar, dass ihm der Anruf in diesem Moment eindeutig wichtiger ist als
das, was ich ihm sagen möchte. Und dann muss ich mir auch noch bieten
lassen, dass mir der Inhalt des Telefonats in voller Länge aufgezwungen
wird. Geschieht dies in meiner Arbeitsumgebung, so wende ich mich
augenblicklich meinem Tagwerk zu, und der Andere muss nach dem Druck auf
die Taste mit dem roten Hörer eben eine entsprechende Weile
warten, bis ich wieder Zeit für ihn habe. Übrigens: Da man das
dummdenglische Wort „Handy“ nicht ausrotten kann, verwende ich es in der
Schreibweise „Händi“.
Mode
Eine Branche, die
längst zum Selbstzweck geworden ist und im besonderen Maße dazu dient,
Unterschiede zwischen Menschen zu schaffen. Unterschiede, die sich in
knallharten Werturteilen formulieren und über beruflichen und
gesellschaftlichen Erfolg entscheiden. Es ist schon hart, welche Unterschiede zwischen Menschen
nur deshalb gemacht werden, weil sie sich auf ihre eigene Weise in Textilien hüllen. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: Hört her, ihr sklavischen Mode-Opfer: Jeder Mensch, der sich weigert, sich
irgendeinem Modediktat zu unterwerfen, besitzt wesentlich mehr Persönlichkeit und Individualität als ihr!
Rauchen
Rauchen ist widerwärtig. Zigaretten sind widerwärtig. Schon als Jugendlicher empfand ich Ekel vor Mitschülern, gegen deren Mundgeruch ein geöffneter Höllenschlund ein 4711-Zerstäuber war. Ich finde es auch widerwärtig, wenn ich nach einem Gastronomie- oder Kinobesuch nach Hause komme und meine Klamotten so dermaßen ekelhaft nach Qualm stinken, dass ich sie am liebsten verbrennen möchte. Was soll am Rauchen eigentlich gesellschaftlich so attraktiv sein? Sind es die rotrandigen Augen? Ist es der Qualmgestank? Oder vielleicht doch die gelben Finger und Zähne? Oder sind es womöglich die affektierten Körperhaltungen, die dem Raucher seine göttergleiche Gestalt verleihen? So viele Fragen...
Sommerzeit
Eine Sache, deren Sinn und Zweck mittlerweile widerlegt ist. Der einzige Effekt ist, dass einem tagelang der Kopf brummt, bis man sich an die Umstellung gewöhnt hat. Krank auch, dass die Sommerzeit länger dauert als die eigentliche Zonenzeit. Wieso stellt man die Uhr dann überhaupt noch zurück? Was im Sommer angeblich so toll ist, kann im Winter doch nicht für den Eimer sein! Ums auf den Punkt zu bringen: Mir ist es mittlerweile egal, welcher Zeitzone wir angehören, nur, Leute, einigt euch endlich auf eine und hört mit der bescheuerten Umstellerei auf!
Star
Trek
Science Fiction ist Klasse! Besonders Star Trek. Star Trek vermittelt eine Zukunft, in der die Menschen endlich erwachsen sind. Es gibt keine Geldgier, keine Armut, alle Krankheiten sind besiegt, alle Menschen leben in Frieden miteinander und die Toleranz gegenüber Andersartigen wird ganz groß geschrieben. Ein Utopia? Gewiss. Doch jede Zeit hatte ihr Utopia. Camelot war zum Beispiel auch eines. Was kann falsch daran sein, in einer verlogenen, raffgierigen und gewalttätigen Welt von einem Utopia zu träumen?
Weihnachten
Ein zum
Vermarktungsobjekt verkommenes, ehemaliges Fest, das allenthalben völlig
oberflächlich für kommerzielle Zwecke missbraucht wird. Es steht nur
noch das Konsumieren und das Reibachmachen im Vordergrund. Ich kriege
schon die Krätze, wenn ich alljährlich Ende August die ersten
Weihnachtsartikel in den Supermärkten sehe, vier Monate vor Weihnachten!
Am besten geht man in dieser Zeit nicht mehr vors Loch, und die Glotze
lässt man besser auch aus, dann hat man zumindest vor den ganzen
Heuchlern seine Ruhe.
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